Ebru Erülkü nutzt die Kamera und die heute nutzbaren technischen Möglichkeiten in einer flexiblen Art und Weise mit dem Ergebnis der gelungenen Umsetzung metaphorischer Bildideen. Die als Fotografien realisierten Bilder, man könnte sie sich auch als Malerei vorstellen, sind gewoben aus Alltagserlebtem und den Alltag Transzendierendem, aus Beobachtetem und Erdachtem, vielleicht auch Geträumtem und Erträumtem. Darüber hinaus öffnet sich ein weiteres Interpretationsfeld, das in dem unbestimmbaren Niemandsland zwischen Normalität und Absurdität liegend beheimatet ist. Die Fotografien scheinen das Resultat durchlässig trennender, trennend durchlässiger Projektionsflächen zu sein, auf die von beiden Seiten aus verschiedenen Reichen projiziert wird. Projektionen aus dem Reich der Realität mischen sich mit Projektionen aus dem Reich der Fantasie, Projektionen aus dem Reich der Gefühle durchdringen Projektionen aus dem Reich der Vernunft. Projektionen aus dem Reich des Wissens paaren sich mit Projektionen aus dem Reich des Ahnens. So entstehen märchenhaft klare Bilder. Sie dokumentieren nicht die Außenwelt, sondern schaffen und dokumentieren ihre eigene Wirklichkeit. Damit entsteht ein an den Betrachter gerichtetes Angebot, ein elegant und subtil umrissenes Bedeutungsfeld zu interpretieren, selbst auch mit Bedeutung zu füllen. Doch Erülküs Arbeiten besitzen auch einen mit der Ernsthaftigkeit der Themen passend verknüpften spezifischen Humor, der die Bilder vor allzu bedeutungsschwangeren und narrativen Interpretationen bewahrt.

Text: Wolfram Bach, Düsseldorf, 2005
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